10 May 2026, 20:29

1926: Hindenburgs gescheiter Kompromiss im deutschen Flaggenstreit

Deutsches Flagge über Informationsplakat mit Text zum Thema Flagge.

1926: Hindenburgs gescheiter Kompromiss im deutschen Flaggenstreit

Der langjährige Flaggenstreit im Deutschen Reich erreichte 1926 einen Wendepunkt. Reichspräsident Paul von Hindenburg erließ am 5. Mai ein neues Dekret, um die Spannungen zwischen den verfeindeten politischen Lagern zu entschärfen. Seit seiner Wahl im Vorjahr hatte sich der Konflikt zugespitzt und die Nation in zwei unverrückbar verfeindete Blöcke gespalten.

Im Mittelpunkt des Streits standen die nationalen Symbole. Die politische Linke und die Mitte unterstützten die schwarz-rot-goldene Trikolore, während die Rechte auf die Wiederbelebung der alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot bestand. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatten sich diese Gegensätze zu zwei rivalisierenden Bündnissen verfestigt: einem „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und einem „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“.

Der Reichskunstwart Edwin Redslob erhielt den Auftrag, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu entwerfen. Trotz unzähliger eingereichter Entwürfe und eigener Vorschläge gelang es ihm nicht, einen Kompromiss zu finden. Hindenburg, der die wachsende Zerrissenheit erkannte, versuchte mit einem offenen Brief, die Krise zu entschärfen. Er forderte eine verfassungskonforme Lösung, die beide Seiten versöhnen könnte.

Am 5. Mai 1926 trat die Zweite Flaggenverordnung in Kraft. Sie schrieb vor, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas sowohl die schwarz-rot-goldene Nationalflagge als auch die schwarz-weiß-rote Handelsflagge hissen mussten. Die Entscheidung empörte die Rechte, die darin eine unzureichende Zugeständnis sah, während Reichskanzler Hans Luther von allen Seiten unter Beschuss geriet.

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Die Verordnung war bewusst so gestaltet, dass sie eine Reaktion provozieren sollte. Die Rechte, gestärkt durch Hindenburgs früheren Wahlsieg, strebte einen vollständigen Sieg in der Flaggendebatte an. Gleichzeitig sollten Linke und Mitte ihre Unterstützung für die bevorzugten Farben noch entschlossener bekräftigen.

Doch die Zweite Flaggenverordnung trug kaum zur Beilegung des Konflikts bei. Stattdessen setzte sie Kanzler Luther den Angriffen beider politischer Extreme aus. Der Flaggenstreit blieb ungelöst – jede Seite verharrte noch unnachgiebiger hinter ihren gewählten Symbolen.

Quelle