30 March 2026, 10:36

Bonner Protestwelle fordert härteres Vorgehen gegen digitale Gewalt an Frauen

Eine große Gruppe von Menschen marschiert bei einer Demonstration auf einer Stadtstraße, einige halten Schilder und andere fahren Fahrräder, mit Bäumen und einem Gebäude im Hintergrund unter einem klaren blauen Himmel.

Bonner Protestwelle fordert härteres Vorgehen gegen digitale Gewalt an Frauen

Hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten versammelten sich am Sonntag im Bonner Stadtzentrum, um gegen sexualisierte Gewalt zu protestieren und konkrete Maßnahmen zu fordern. Die Kundgebung folgte einer größeren Demonstration in Köln am Vortag, an der über 5.000 Menschen für dasselbe Anliegen teilgenommen hatten. Die Veranstalterinnen bezeichneten die Aktion als direkte Reaktion auf die wachsende öffentliche Empörung über aktuelle Fälle digitaler Gewalt und frauenfeindlicher Hetze.

Die Protestkundgebung fand vor dem Alten Rathaus auf dem Bonner Marktplatz statt und zählte mehr als 500 Teilnehmende. Rednerinnen und Redner aus dem gesamten politischen Spektrum riefen Männer dazu auf, mehr Verantwortung im Kampf gegen misogyne Einstellungen zu übernehmen. Organisiert wurde die Demonstration von einem Bündnis aus Stadtratsparteien, darunter Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und Volt.

Die Kundgebung erfolgte vor dem Hintergrund einer intensiv geführten öffentlichen Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen. Eine Untersuchung des Spiegel aus dem Jahr 2023 hatte Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, öffentlich gemacht – darunter die Erstellung nicht einvernehmlicher Deepfake-Pornografie. Seitdem sind die gemeldeten Fälle digitaler Gewalt um 6 Prozent angestiegen; allein 2024 waren 18.224 Frauen und Mädchen betroffen.

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Auf der Demonstration forderten Politikerinnen der CDU-Frauen-Union strengere gesetzliche Regelungen. Tim Achtermeyer, Landesvorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, sich nicht stärker für verschärfte Gesetze einzusetzen. Unterdessen kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) Pläne an, die Herstellung und Verbreitung von Deepfake-Pornografie unter Strafe zu stellen – in Übereinstimmung mit bevorstehenden EU-Richtlinien, die bis Juni 2027 umgesetzt werden müssen.

Das Thema gewinnt zusätzlich an Aufmerksamkeit durch mediale Diskussionen, etwa in einer jüngsten ARD-Talkshow mit Anne Will, die sich mit den rechtlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen im Kampf gegen digitale Gewalt beschäftigte.

Die Bonner Demonstration ist Teil einer breiten Protestwelle in der Rheinland-Region. Angesichts steigender Zahlen sexualisierter Gewalt betonten die Organisatorinnen die Dringlichkeit von Rechtsreformen und einem gesellschaftlichen Wandel. Die von der Regierung geplanten Maßnahmen zielen darauf ab, bestehende gesetzliche Lücken noch vor der EU-Frist 2027 zu schließen.

Quelle