CDU Hessen leitet Ausschlussverfahren nach AfD-Kooperation in Biebesheim ein
Leonhard PreißCDU Hessen leitet Ausschlussverfahren nach AfD-Kooperation in Biebesheim ein
Die hessische CDU hat disziplinarische Maßnahmen gegen Mitglieder eingeleitet, die in Biebesheim am Rhein mit der AfD zusammengearbeitet haben. Der Schritt folgt einer gemeinsamen Abstimmung, bei der ein AfD-Kandidat in den Vorstand der Gemeinde gewählt wurde. Lokale und regionale Parteiverantwortliche verurteilten die Kooperation als Verstoß gegen die Parteilinie.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der vermehrt überparteiliche Zusammenarbeit mit der AfD auf kommunaler Ebene bekannt wird. In Biebesheim am Rhein hatten CDU- und AfD-Vertreter eine gemeinsame Liste für die Stellvertreterposten des Bürgermeisters eingereicht. Der gemeinsame Vorschlag entstand nach anfänglichen Uneinigkeiten und führte zur Wahl des AfD-Mitglieds Bernd Kahnert in den Gemeindevorstand. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth hatte ursprünglich einen Stellvertreterposten für seine Partei angestrebt, die acht der 31 Sitze im Gemeinderat hält, während die AfD über sechs Sitze verfügt.
Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau reagierte mit Ausschlussverfahren gegen die beteiligten Mitglieder. Der Kreisvorsitzende Stefan Sauer betonte, dass Ausschlüsse "nicht verhandelbar" seien und weitere Schritte geprüft würden. Der hessische CDU-Generalsekretär Leopold Born unterstützte das entschlossene Vorgehen und forderte "sofortige und konsequente" Maßnahmen auf lokaler Ebene.
Die Partei bezeichnete die gemeinsame Abstimmung als "spontan und unabgestimmt" und verwies auf ihren langjährigen Unvereinbarkeitsbeschluss mit der AfD. Die Zusammenarbeit stand einer Gegenkandidatur von SPD, Grünen und Freien Wählern gegenüber, die gemeinsam 17 Sitze im Gemeinderat innehaben.
Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) unterstreicht den Trend: In fast 19 Prozent von 5.000 sachlichen Kommunalabstimmungen zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 arbeiteten andere Parteien direkt mit der AfD zusammen. Besonders häufig waren solche Bündnisse bei parteilosen Gemeinderäten und Mitgliedern kleinerer Parteien zu beobachten.
Die disziplinarischen Maßnahmen der CDU bekräftigen ihre ablehnende Haltung gegenüber lokaler Zusammenarbeit mit der AfD. Gegen die beteiligten Mitglieder laufen nun Ausschlussverfahren. Gleichzeitig deutet die WZB-Studie darauf hin, dass solche überparteilichen Allianzen in einigen Kommunalparlamenten weiterhin vorkommen.






