03 April 2026, 14:31

EMAF-Festival in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin entbrannt

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau umgeben von Menschen und Bäumen mit Text.

EMAF-Festival in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin entbrannt

Kontroverse um Palestinian-Künstlerin beim Europäischen Medienkunstfestival in Osnabrück

Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück hat mit der Aufnahme eines Kurzfilms der palästinensischen Künstlerin Larissa Al-Sharif für Aufsehen gesorgt. Ihr Werk "Morning Circle" wird im Rahmen des diesjährigen Programms gezeigt. Die Entscheidung stieß auf scharfe Kritik bei lokalen Politikern, die Al-Sharif Antisemitismus und Verbindungen zur BDS-Bewegung vorwerfen.

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Die Auswahl des Festivals führte zu einer öffentlichen Distanzierung sowohl der Stadt als auch regionaler Verantwortungsträger. Die Veranstalter betonen jedoch, dass das EMAF seit jeher vielfältige Stimmen – darunter auch jüdische und israelische Perspektiven – einbezieht.

Im Mittelpunkt des Streits stehen frühere Social-Media-Beiträge Al-Sharifs, in denen Kritiker antisemitische Botschaften erkennen wollen. Wolfgang Beckermann, Kulturdezernent der Stadt Osnabrück, erklärte, er hätte es vorgezogen, ihr Werk aus dem Programm zu nehmen, um solchen Ansichten keine Plattform zu bieten. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, argumentierte hingegen, dass die Unterdrückung palästinensischer Standpunkte unter dem Vorwand der Antisemitismus-Bekämpfung notwendige Dialoge ersticken könnte.

Auch Ministerpräsident Olaf Lies (Niedersachsen) und die Landesregierung distanzierten sich vom Festival. Zwar respektierten sie die programmatische Unabhängigkeit des EMAF, lehnten Antisemitismus in jeder Form jedoch entschieden ab. Die Festivalmacher hingegen verweisen auf ihr diesjähriges Leitthema "An Incomplete Assembly" (Eine unvollständige Versammlung), das die Spannung zwischen künstlerischer Freiheit und institutioneller Verantwortung auslotet.

Das EMAF hat in der Vergangenheit bereits mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet und in früheren Ausgaben auch jüdische und israelische Stimmen eingebunden. Befürworter von Al-Sharifs Teilnahme betonen, dass es bei der Vorstellung um ihren Film und nicht um ihre politischen Äußerungen gehe. Zudem mahnen sie zur Vorsicht bei der Interpretation ihrer Social-Media-Posts an – manche Aussagen könnten mehrdeutig sein.

Trotz der Kritik hält das Festival an seiner Entscheidung fest. Die Debatte wirft grundsätzliche Fragen auf: Wo verläuft die Grenze zwischen politischer Meinungsäußerung und Hassrede in kulturellen Räumen? Die Vorführung von "Morning Circle" findet wie geplant statt, doch die Kontroverse hat tiefe Gräben offenbart. Während Stadt und Landesregierung Al-Sharifs Beteiligung ablehnen, pocht das EMAF auf sein Bekenntnis zur künstlerischen Vielfalt. Die Diskussion reicht mittlerweile über Osnabrück hinaus und stellt kulturelle Einrichtungen vor die Herausforderung, freie Expression mit ethischen Grenzen in Einklang zu bringen.

Quelle