EZB wird zum größten Hedgefonds Europas – mit riskanten Unternehmensanleihen
Leonhard PreißEZB wird zum größten Hedgefonds Europas – mit riskanten Unternehmensanleihen
Die größten Hedgefonds der Welt sitzen nicht mehr in den USA oder London. Stattdessen haben Frankfurt und Tokio die größten Akteure angezogen – mit Zentralbanken an der Spitze. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich still und leise zu einem Finanzgiganten entwickelt und im Rahmen ihrer Konjunkturförderungsmaßnahmen Hunderte von Unternehmensanleihen erworben.
Im Zuge ihres Programms zur quantitativen Lockerung hat die EZB 440 Unternehmensanleihen gekauft. Viele dieser Papiere bergen höhere Risiken: Fast die Hälfte wird von Ratingagenturen mit B oder schlechter bewertet. Solche Einstufungen deuten auf eine erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit hin, doch die EZB nimmt sie weiterhin in ihr Portfolio auf.
Die Bank verfolgt einen flexiblen Ansatz bei der Einstufung von Anleihen als investmentgrade. Reicht die Bewertung einer der vier großen Ratingagenturen aus, akzeptiert die EZB das Papier – selbst wenn andere es als "Ramsch" einstuften. Diese Strategie ermöglicht es der Bank, Anleihen von Unternehmen aus Italien, Portugal und Finnland zu erwerben, die allesamt B-geratete Schuldtitel emittiert haben.
Durch den Kauf dieser riskanteren Anleihen will die EZB die Wirtschaft ankurbeln und die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen erleichtern. Gleichzeitig verlagert sie damit potenzielle Verluste auf die Steuerzahler der Eurozone, falls eines der Unternehmen in Schieflage gerät.
Die massiven Anleihenkäufe der EZB haben sie zum größten Hedgefonds der Eurozone werden lassen. Mit Hunderten von Unternehmensanleihen in ihrem Bestand – darunter viele mit niedriger Bonität – birgt ihr Handeln erhebliche finanzielle Risiken. Scheitern die verschuldeten Unternehmen, trägt am Ende der europäische Steuerzahler die Last.






