16 March 2026, 00:25

Gießen verfehlt Klimaziele: Trotz sinkendem Energieverbrauch steigen die Emissionen um 4,4 Prozent

Ein großes Gebäude mit einer grünen Wand an der Seite, umgeben von Straßenlaternen, Verkehrspfosten, Verkehrssignalen, Kraftfahrzeugen, Fußgängern, Bäumen und einem bewölkten Himmel als Teil des Green Building Projects.

Gießen verfehlt Klimaziele: Trotz sinkendem Energieverbrauch steigen die Emissionen um 4,4 Prozent

Gießen hat seinen aktuellen Klimaschutz- und Energiebericht veröffentlicht, der sowohl Fortschritte als auch Herausforderungen bei den Umweltzielen der Stadt aufzeigt. Zwar sank der Energieverbrauch der Stadt 2024 leicht, doch die Treibhausgasemissionen stiegen um 4,4 Prozent. Die Ergebnisse werden am 27. April 2026 im Rathaus bei einer öffentlichen Veranstaltung diskutiert.

Der Bericht hebt zentrale Projekte hervor, darunter ein neues Kraft-Wärme-Kopplungswerk und den Ausbau des Busnetzes – beides Maßnahmen im Rahmen der laufenden Bemühungen, die Emissionen zu senken. Dennoch bleibt der Verkehrssektor mit einem Anteil von 39 Prozent an den Gesamtemissionen im vergangenen Jahr ein zentrales Problem. Hier sind weitere Schritte nötig, um die langfristigen Klimaziele zu erreichen.

2024 stieg der Gesamtausstoß an Treibhausgasen in Gießen auf 588.079 Tonnen CO₂-Äquivalente – ein Anstieg um 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotz dieses Plus verringerte sich der Endenergieverbrauch der Stadt um 1,5 Prozent auf 1.875.083 Megawattstunden (MWh). Auch der Pro-Kopf-Verbrauch sank leicht von 20,3 MWh (2023) auf 20,1 MWh (2024).

Der Verkehrsbereich bleibt eine der größten Baustellen: Er verursachte 39 Prozent aller Emissionen. Um gegenzusteuern, baut die Stadt ihr Busnetz aus und entwickelt einen Verkehrsplan, der die Abhängigkeit vom Individualverkehr verringern soll. Ein weiteres Schlüsselfprojekt ist das Kraftwerk PowerLahn, ein Kraft-Wärme-Kopplungswerk, das eine klimafreundlichere Energieerzeugung ermöglichen wird.

Strategische Dokumente wie der kommunale Wärmeplan und der Verkehrsentwicklungsplan leiten Gießens Wandel nun an. Doch der Bericht betont: Um bis 2035 Klimaneutralität zu erreichen, müssen die Pro-Kopf-Emissionen zusätzlich um 54,3 Prozent sinken. Die vollständigen Ergebnisse sind online unter *www.giessen.de/klimaschutz* abrufbar.

Die öffentliche Präsentation am 27. April 2026 bietet Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, mehr über die Klimastrategie der Stadt zu erfahren. Trotz rückläufigem Energieverbrauch steigen die Emissionen – eine klare Herausforderung für das Ziel der Klimaneutralität bis 2035. Der Erfolg von Projekten wie dem Kraftwerk PowerLahn und dem Busnetzausbau wird maßgeblich darüber entscheiden, wie es mit Gießens Klimaschutz weitergeht.

AKTUALISIERUNG

Kritiker fordern dringende Maßnahmen nach Anstieg der Emissionen

Eine neue Analyse der Klimagruppe Gigg hat den Gießener 2025-Klimabericht scharf kritisiert. Die Gruppe argumentiert, dass die Stadt die Emissionen jährlich um 50.000 t CO₂ senken müsse, um die 2035er Neutralitätsziele zu erreichen. Wichtige Bedenken sind:

  • „Der Klimabericht 2025 ist ein Weckruf für politisches Versagen“, sagt der Gigg-Vorsitzende Lutz Hiestermann
  • Kritik an der Energiepolitik des Magistrats, einschließlich des geplanten Katzenfeld-Rechenzentrums
  • Forderung nach beschleunigter Umsetzung des 2025 genehmigten kommunalen Wärmeanlagenplans