Hessen streicht 400 Lehrkräfte – Schulen in Frankfurt besonders betroffen
Betty BruderSchulfinanzierungskrise vor Lokalwahlen - Hessen streicht 400 Lehrkräfte – Schulen in Frankfurt besonders betroffen
Eine Sondersitzung des hessischen Landtags hat die tiefen Gräben bei den geplanten Kürzungen an Gesamtschulen offenbart. Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen und der FDP hatten die Dringlichkeitsdebatte beantragt, nachdem die Landesregierung Einschnitte angekündigt hatte, die rund 400 Lehrstellen betreffen. Kritiker warnen, dass die Änderungen den Schulen ab dem kommenden Schuljahr dringend benötigte Ressourcen entziehen werden.
Die vorgesehenen Streichungen betreffen etwa 400 Lehrkräfte – darunter rund 100 Stellen für die innere Differenzierung an Integrierten Gesamtschulen sowie 300 an Einrichtungen mit besonders hohen sozialen Herausforderungen. Ein Drittel der Kürzungen trifft Schulen in Frankfurt, der Stadt Offenbach und dem Landkreis Offenbach. Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) betonte, die Maßnahmen seien befristet und gelten nur für das Schuljahr 2026/2027; er bezeichnete sie als notwendige "Anpassungen" innerhalb eines wachsenden Bildungsetats.
Der Widerstand formierte sich umgehend. Der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Daniel May, nannte die Pläne eine "Bildungskatastrophe" und schätzte, dass in hessischen Schulen wöchentlich 10.000 Unterrichtsstunden wegfallen würden. Moritz Promny von der FDP warnte, dass vor allem Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf die Hauptlast der Kürzungen tragen müssten. Unterdessen kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Landesregierung ignoriere die massiven Proteste – darunter auch den jüngsten Anstieg der Schülerzahlen an Gesamtschulen um 2,5 Prozent für das Schuljahr 2025/2026.
Trotz der massiven Kritik zeigt Schwarz' Ministerium bisher keine Anzeichen für einen Rückzieher. Die Kürzungen sind Teil umfassender Haushaltsentscheidungen, wobei unklar bleibt, ob über den nächsten Schulzyklus hinaus weitere Einschnitte folgen.
Der Streit lässt die Schulen vor dem Schuljahr 2026/2027 in Unsicherheit zurück. Mit 10.000 gefährdeten Unterrichtsstunden pro Woche werden die Kürzungen die Kapazitäten der Gesamtschulen – insbesondere in sozial benachteiligten Gebieten – auf eine harte Probe stellen. Die Haltung der Landesregierung deutet nicht auf eine baldige Kehrtwende hin, sodass Lehrkräfte und Familien sich auf die reduzierte Personalausstattung einstellen müssen.