17 March 2026, 08:31

Hessens Chemieindustrie kämpft um Überleben in tiefer Krise und fordert politische Hilfe

Eine Liniengrafik, die den Einfluss von COVID-19 auf das US-Geschäft und die Erholung zeigt, unterteilt nach Branchen, mit Daten zu betroffenen Unternehmen und wirtschaftlicher Erholung.

Hessens Chemieindustrie kämpft um Überleben in tiefer Krise und fordert politische Hilfe

Hessens chemische und pharmazeutische Industrie steckt in einer sich verschärfenden Krise

Nach drei Jahren Rezession verschärft sich die Krise in Hessens chemischer und pharmazeutischer Industrie weiter. 2025 sind Produktion und Umsätze erneut gesunken, während die Beschäftigtenzahlen weiter schrumpfen. Branchenvertreter fordern nun dringend politische Maßnahmen, um den weiteren Niedergang und Arbeitsplatzverluste zu stoppen.

Neue Zahlen belegen, dass sich die Lage der Branche weiter zugespitzt hat: Bis August 2025 ging die Produktion um 2,6 Prozent zurück, die Umsätze sanken um 2,4 Prozent. Besonders betroffen ist die klassische chemische Industrie – hier lag der Rückgang seit 2021 bei etwa 30 Prozent. Insgesamt ist die Produktionskapazität der hessischen Chemieindustrie seit 2021 um rund 12 Prozent geschrumpft, ein stärkerer Einbruch als im Bundesschnitt von 8 Prozent.

Als Gründe für den Abschwung gelten hohe Energiekosten, die Vorgaben des EU-Green-Deals sowie Lieferkettenprobleme infolge des Ukraine-Kriegs. Zum Vergleich: In Bayern wuchs die Industrie im gleichen Zeitraum um 2 Prozent, während Nordrhein-Westfalen einen geringeren Rückgang von 5 Prozent verzeichnete. Auch die Beschäftigung in Hessens Chemiesektor ging erneut um 1,5 Prozent zurück – fast die Hälfte der Unternehmen rechnet mit weiteren Stellenstreichungen.

Struktureller Wandel statt vorübergehende Schwächephase Dr. Joachim Kreysing, Vorsitzender des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) Hessen, warnte, die Branche befinde sich in einem strukturellen Niedergang und nicht nur in einer vorübergehenden Schwächephase. Umfragen zeigen eine weit verbreitete Pessimismus: 89 Prozent der Unternehmen erwarten stagnierende oder sinkende Produktion, 81 Prozent rechnen mit gleichbleibenden oder rückläufigen Umsätzen, und 89 Prozent sehen keine Erholung der Gewinne in Sicht. Die Branche drängt nun auf niedrigere Energiepreise, ein wettbewerbsfähigeres Emissionshandelssystem, bessere Infrastruktur und weniger Bürokratie, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen.

Die chemische und pharmazeutische Industrie in Hessen bleibt damit in einer anhaltenden Talfahrt – ohne Anzeichen für eine Besserung. Die Unternehmen bereiten sich auf weitere Stellenstreichungen und sinkende Produktionszahlen vor, sofern die Politik nicht gegensteuert und die Probleme bei Energiekosten, Regulierung und Infrastruktur angeht. Ohne gezielte Maßnahmen droht die Gefahr einer weiteren Deindustrialisierung.

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