KBV wirft Regierung Versagen bei Gesundheitsreformen und chronischer Unterfinanzierung vor
Klaus TrommlerKBV wirft Regierung Versagen bei Gesundheitsreformen und chronischer Unterfinanzierung vor
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die Bundesregierung scharf dafür kritisiert, dringend notwendige Reformen im Gesundheitswesen zu ignorieren. Führende Vertreter der Organisation werfen der Politik vor, zentrale finanzielle und strukturelle Probleme ungelöst zu lassen – mit der Folge, dass die ambulante Versorgung chronisch unterfinanziert und überlastet bleibt.
Im Mittelpunkt der Kritik stehen seit Jahren bestehende Finanzierungslücken. Zwischen 2019 und 2024 entging den Vertragsärzten durch nicht erstattete Leistungen aufgrund strenger Budgetvorgaben ein Betrag von über 11 Milliarden Euro. Dennoch bewältigen ambulante und psychotherapeutische Praxen 97 Prozent aller Behandlungsfälle, erhalten aber nur 16 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben.
Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender der KBV, lehnte Pläne ab, pauschal hohe Summen in die stationäre Versorgung zu stecken, ohne die Strukturen zu reformieren. Gleichzeitig wies er Forderungen zurück, Budgetobergrenzen für Haus- und Kinderärzte wieder einzuführen oder Zusatzzahlungen für Facharztüberweisungen abzuschaffen.
Dr. Sibylle Steiner, KBV-Vorstandsmitglied, prangerte die anhaltenden digitalen Defizite im Gesundheitssektor an. Tägliche Ausfälle der Telematikinfrastruktur (TI) und schlecht vernetzte Datensysteme behinderten die Arbeit massiv, so Steiner. Sie forderte eine zuverlässige TI, bessere Praxissoftware und ein Ende der Ungleichbehandlung im geplanten Digitalgesetz. Zudem drängte sie auf Nachbesserungen beim Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG).
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender KBV-Vorsitzender, kritisierte neue Vorgaben, wonach die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) künftig rund um die Uhr Telemedizin und Hausbesuche anbieten müssen – selbst während der regulären Sprechzeiten. Die KBV wirft der Regierung vor, sich vor unpopulären Entscheidungen zu drücken, insbesondere bei den nicht versicherungsfähigen Leistungen, die bis zu 45 Milliarden Euro kosten, in Spardebatten aber ausgeklammert bleiben.
Die Forderungen der KBV nach Reformen unterstreichen die tiefgreifende Sorge über Finanzierungslücken, digitale Ineffizienzen und eine ungleiche Ressourcenverteilung. Ohne Kurskorrekturen in der Politik werden ambulante Versorgungseinrichtungen weiterhin unter finanzieller Belastung leiden – obwohl sie den Großteil der Patientbehandlungen stemmen.






