Kontroverse um Weimers frühe Gedichte: "Kopfpilz" in Nationalbibliothek aufgenommen
Klaus TrommlerKontroverse um Weimers frühe Gedichte: "Kopfpilz" in Nationalbibliothek aufgenommen
Die Aktivistin Martha Root hat eine frühe Gedichtsammlung des Kulturministers Wolfram Weimer an die Deutsche Nationalbibliothek gespendet. Der Band mit dem Titel „Kopfpilz“ enthält umstrittene Gedichte und wurde im Mai 2023 in den Bibliothekskatalog aufgenommen. Roots Initiative hat eine breitere Debatte über Weimers frühes Werk und seine heutige Rolle in der Kulturpolitik ausgelöst.
Die Sammlung „Kopfpilz“ umfasst provokante Stücke wie „Vorfreude“ und „Unglück“. Root digitalisierte das Buch und stellte es auf Archive.org online – damit ist es nun frei zugänglich. Dieser Schritt steht im Kontrast zu Weimers Haltung zu physischen Medien und seinem Einfluss auf kulturelle Entscheidungen.
Bereits im Dezember 2022 hatte Root auf dem Chaos Communication Congress die rechtsextreme Dating-Plattform „White Date“ aufgedeckt. Sie kritisiert, dass Weimer seine frühen Werke nicht thematisiere – besonders problematisch sei dies angesichts seiner prägenden Rolle in der Kulturpolitik. Root verweist auf mögliche Interessenkonflikte, etwa durch seine Doppelfunktion als Unternehmer und Lobbyist, sowie auf die Ausschließung linker Buchhandlungen von einer Preisverleihung.
Das Kulturministerium Weimers hatte die Aufnahme des Buches in die Bibliothek zunächst als „Moratorium“ bezeichnet – eine Reaktion auf die aufkommende Kritik. Root betont, ihre Handlungen seien nicht persönlich motiviert, sondern Teil einer öffentlichen Auseinandersetzung über kulturelle Werte.
Die gespendete Ausgabe von „Kopfpilz“ soll versteigert werden; der Erlös kommt der Initiative „Lesen Hilft“ zugute. Obwohl die Spende bereits im Mai 2023 erfolgte, wurde das Buch erst kürzlich katalogisiert. Die Kontroverse zeigt, wie stark Weimers Vergangenheit und seine aktuellen politischen Entscheidungen unter Beobachtung stehen.






