Lagardes Dreistufenplan: Wie die EZB gegen Energieschocks durch den Iran-Konflikt vorgehen will
Leonhard PreißLagardes Dreistufenplan: Wie die EZB gegen Energieschocks durch den Iran-Konflikt vorgehen will
EZB-Präsidentin Christine Lagarde skizziert Dreistufenplan gegen mögliche Energieschocks durch Iran-Konflikt
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat einen dreigliedrigen Plan vorgelegt, um potenzielle Energieschocks infolge des Iran-Konflikts zu bewältigen. Die Strategie soll als Leitfaden für geldpolitische Entscheidungen dienen, falls steigende Ölpreise die Inflation vom Zielwert abweichen lassen.
Aktuell entsprechen die Ölpreisentwicklungen weitgehend dem ungünstigen Szenario der EZB, in dem die Kosten nahe dem 95. Perzentil der erwarteten Werte liegen. Dies hat Befürchtungen genährt, dass die Inflation im Euroraum längerfristig hoch bleibt und gleichzeitig die Wirtschaft an Schwung verliert.
Erstens: Kurzfristige Preissprünge ignorieren Der erste Teil von Lagardes Ansatz sieht vor, vorübergehende Energiepreisschübe zu übergehen. Wie die EZB betont, könnten überstürzte geldpolitische Reaktionen auf temporäre Schocks aufgrund von Verzögerungen bei der Wirkung eher schaden als nutzen. Stattdessen würden die Verantwortlichen abwarten, es sei denn, die Auswirkungen halten länger an.
Zweitens: Vorsichtige Anpassungen bei vorübergehender Zielüberschreitung Falls die Inflation das Ziel zwar übersteigt, dies aber nur vorübergehend geschieht, würde die EZB ihre Politik behutsam anpassen. Die ungünstige Prognose der Bank geht von einer Spitzeninflation von etwa 4 % aus, die anschließend schnell sinkt – mit nur geringen Auswirkungen auf die Kerninflation. In einem schweren Szenario jedoch blieben sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation über zwei Jahre hinweg erhöht.
Drittens: Entschlossenes Handeln bei anhaltender Abweichung Sollte die Inflation deutlich und dauerhaft vom Ziel abweichen, sind nachhaltige Gegenmaßnahmen vorgesehen. Dies wäre etwa der Fall, wenn Energieschocks zu langfristigen wirtschaftlichen Verwerfungen führen. Die EZB-Modelle deuten darauf hin, dass die Wirtschaft im Euroraum 2026 unter dem ungünstigen Szenario stagnieren könnte. Bei einer Verschärfung der Krise droht sogar eine leichte Rezession, wobei sich die Erholung bis Ende 2028 hinziehen und nur allmählich an frühere Wachstumsprognosen annähern würde.
Datengetriebene Entscheidungen nach Probit-Modell Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB, vergleicht den Entscheidungsprozess mit einem statistischen Probit-Modell. Bei jedem Treffen würden die Geldpolitiker die neuesten Daten prüfen, um zu bewerten, ob ein Eingreifen notwendig ist. Aktuelle Analysen zeigen, dass die Ölpreise in milden Szenarien zwischen April und Juni bei etwa 90 US-Dollar pro Barrel liegen könnten, während die Prognosen für 2026 einen Rückgang auf 55 bis 62 US-Dollar vorhersagen.
Abwägung zwischen Zurückhaltung und Handlungsbereitschaft Die Strategie der EZB balanciert zwischen Vorsicht und der Bereitschaft, einzugreifen, falls sich die energiegetriebene Inflation verfestigt. Derzeit bewegen sich die Ölpreise am oberen Ende der Prognosen – ein Risiko für anhaltende wirtschaftliche Belastungen. Sollte sich die Lage verschärfen, ermöglicht der Rahmen der Bank eine schrittweise Erholung, ohne die langfristige Stabilität aus den Augen zu verlieren.






