Rekordinvestitionen in erneuerbare Energien – doch das Tempo reicht nicht aus
Klaus TrommlerRekordinvestitionen in erneuerbare Energien – doch das Tempo reicht nicht aus
Die globalen Investitionen in erneuerbare Energien erreichten 2015 mit 266 Milliarden US-Dollar einen neuen Rekordwert. Diese Summe überstieg die Ausgaben für Kohle- und Gaskraftwerke im selben Jahr um mehr als das Doppelte – dort wurden lediglich 130 Milliarden US-Dollar investiert. Dennoch warnen Experten, dass das Tempo des Fortschritts zu langsam bleibt, um den künftigen Energiebedarf und die Klimaziele zu erfüllen.
In den Industrienationen ging das Investitionsvolumen in erneuerbare Energien deutlich zurück und sank auf 130 Milliarden US-Dollar – den niedrigsten Stand seit 2009. Allein in Europa brach das Engagement zwischen 2011 und 2015 um 60 Prozent ein. Gleichzeitig übernahmen die Entwicklungsländer die Führung: Sie steckten 2015 insgesamt 156 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien, was einem Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
China trieb diesen Wachstumstrend maßgeblich voran und verzeichnete seit 2004 einen nahezu kontinuierlichen Anstieg der Investitionen. Doch auch jenseits von China, Indien und Brasilien erhöhten andere Schwellenländer ihre Ausgaben um 30 Prozent auf 36 Milliarden US-Dollar. Besonders hervor taten sich dabei Südafrika, Mexiko und Chile.
Der Umstieg auf saubere Energien zahlte sich in puncto Kapazitäten aus: Photovoltaik und Windkraft steuerten 2015 gemeinsam 118 Gigawatt neue Erzeugungskapazität bei – ein neuer Rekord. Trotz dieser Fortschritte betonte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, dass der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen deutlich beschleunigt werden müsse. Er forderte eine Verringerung der Abhängigkeit von Kohle und Gas, selbst wenn dies bedeute, dass einige Kraftwerke nicht voll ausgelastet würden.
Wie aus dem Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) hervorgeht, klafft eine Lücke zwischen den aktuellen Bemühungen und dem, was tatsächlich nötig wäre. Ban Ki-moon warnte, dass die Welt ohne schnellere Maßnahmen das Ziel verfehlen könnte, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen.
Die Zahlen für 2015 zeigen eine klare Zweiteilung: Während die Entwicklungsländer ihre Investitionen in erneuerbare Energien massiv ausbauen, hinken die Industrienationen hinterher. Mit Rekordwerten bei Solar- und Windkapazitäten deutet sich zwar ein allmählicher Abschied von fossilen Energieträgern an. Doch das Tempo des Wandels reicht laut Wissenschaftlern bei Weitem nicht aus, um schwere Klimafolgen abzuwenden.






