Streit um Kürzungen bei "Demokratie leben!" – Zivilgesellschaft in Alarmbereitschaft
Leonhard PreißStreit um Kürzungen bei "Demokratie leben!" – Zivilgesellschaft in Alarmbereitschaft
Ein politischer Streit ist über Pläne entbrannt, die Förderung für das deutsche Programm "Demokratie leben!" zu kürzen. Die 2014 gestartete Initiative wird mit jährlich 200 Millionen Euro finanziert und unterstützt bundesweit rund 3.000 Projekte und 360 Partnerschaften. Nun plant Familienministerin Karin Prien (CDU), bis Ende des Jahres über 200 dieser Projekte auslaufen zu lassen.
Kritik kommt aus dem gesamten politischen Spektrum: Die SPD-Politikerin Saskia Esken warnt, die Kürzungen würden die Zivilgesellschaft destabilisieren. Der AfD-Abgeordnete Kay Gottschalk begrüßt hingegen die Änderungen und dankt Prien für die Umstrukturierungspläne.
Das Programm "Demokratie leben!" sollte die demokratische Teilhabe in allen 16 Bundesländern stärken. Es förderte lokale Initiativen, Landesdemokratiezentren sowie Projekte gegen Hassrede, Extremismus und soziale Ausgrenzung. Ministerin Prien jedoch argumentiert, dass das Programm trotz einiger Erfolge in der Praxis nicht durchgehend wirksam gewesen sei. Die Reformen bezeichnet sie als Teil eines "lernfähigen Systems".
Die Gegenwehr ist heftig: Esken, Co-Vorsitzende der SPD, wirft der CDU vor, die Zivilgesellschaft zu untergraben – mit Verweis auf einen Social-Media-Beitrag eines CDU-Abgeordneten, der das voraussichtliche Ende der Förderung für HateAid, eine Organisation gegen Hass im Netz, bejubelte. Der SPD-Politiker Felix Döring verteidigte die CDU-Pläne zunächst, ruderte später aber zurück. Er stellt Priens Behauptungen über das Scheitern des Programms infrage und verweist auf wissenschaftliche Evaluierungen, die ihre Einschätzung widerlegen. Die Streichung der Mittel für Gruppen wie HateAid oder Frauenhäuser sende ein "verheerendes politisches Signal", so Döring.
Clara Bünger von der Linken geht noch weiter und wirft CDU/CSU vor, mit ihrer Politik die Zivilgesellschaft zu schwächen und damit indirekt der rechtsextremen AfD in die Hände zu spielen. Misbah Khan von den Grünen pflichtet der Kritik bei: Es gebe weder eine klare Strategie noch einen überzeugenden Plan für die Zukunft des Programms. AfD-Mann Gottschalk hingegen lobt die Kürzungen offen als "Schritt in die richtige Richtung".
Innerhalb der SPD sind die Abgeordneten gespalten, wie sie auf einen Antrag der Linken zu einer Debatte über die Förderkürzungen reagieren sollen. Einige stellen sich dagegen, andere zögern oder schweigen. Die Diskussion offenbart tiefe Gräben in der Frage, wie Demokratieförderung in Deutschland künftig aussehen soll.
Bis Ende 2024 sollen die geplanten Kürzungen die Mittel für mehr als 200 Projekte streichen. Während Prien auf eine Steigerung der Effizienz pocht, warnen Kritiker vor dem Abbau jahrelanger Arbeit zur Stärkung der Basisdemokratie. Die Entscheidung wird darüber entscheiden, ob Schlüsselorganisationen – von Anti-Hass-Initiativen bis zu Frauenhäusern – ihre Arbeit fortsetzen können.






