Warum junge Männer in Deutschland nach rechts rücken – und was Politiker dagegen tun wollen
Klaus TrommlerWarum junge Männer in Deutschland nach rechts rücken – und was Politiker dagegen tun wollen
Junge Männer in Deutschland wenden sich zunehmend der rechten Szene zu – während Politiker ein neues Männlichkeitsbild fordern
Immer mehr junge Männer in Deutschland zeigen Interesse an rechtsextremer Politik, während einige Politiker einen anderen Umgang mit Männlichkeit propagieren. Aktuelle Debatten offenbaren eine Kluft darin, wie Parteien mit Männern unter 24 Jahren umgehen. Unterdessen wirbt Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, für offene Diskussionen über Geschlechterrollen – und setzt dabei sogar die Farbe Pink als Statement ein.
Bei der letzten Bundestagswahl stimmten Männer unter 24 häufiger für die rechtspopulistische AfD als gleichaltrige Frauen. Dieser Trend sorgt für Besorgnis über die politische Ausrichtung junger Männer. Vor den Europawahlen 2024 schlug der AfD-Politiker Maximilian Krah in einem Video vor, dass junge Männer, die Schwierigkeiten haben, Partnerinnen zu finden, „nach rechts“ tendieren sollten.
Vor 20 Jahren trug der Fußballtorwart Tim Wiese noch Pink auf dem Platz, ohne dass seine Männlichkeit ernsthaft infrage gestellt wurde. Heute hat Banaszak sein Büro pink gestrichen und argumentiert, dass starre Geschlechterklischees sowohl Männer als auch Frauen schaden. Er plädiert dafür, dass sich Männer in feministischen Diskursen engagieren, und setzt sich für die Förderung von Organisationen ein, die Jungen und Männern helfen, über Geschlechterfragen zu sprechen.
Sein erster großer Versuch, junge Männer mit einer feministischen Botschaft zu erreichen, war ein Playboy-Interview zu Beginn dieses Jahres. Zudem besuchte er Vaterwelten in Krefeld, eine Einrichtung, die Geburtsvorbereitungskurse für Männer anbietet. Seine Haltung folgte auf die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen, die Banaszak dazu brachten, sich für das Verhalten von Männern und die Strukturen, die es ermöglichen, zu schämen.
Unterdessen bleibt das 2010 veröffentlichte Männer-Manifest der Grünen mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich“ laut Sven Lehmann, einem der Initiatoren und heutigen Bundestagsabgeordneten, aktuell. Das Papier forderte Männer auf, traditionelle Machtstrukturen zu hinterfragen – eine Idee, die Banaszak bis heute vertritt.
Die Debatte über Männlichkeit in Deutschland wird auf mehreren Ebenen geführt. Während rechtsextreme Botschaften gezielt junge Männer ansprechen, setzen sich Akteure wie Banaszak für progressive Geschlechterdiskussionen ein. Seine Forderungen nach Förderung und offenem Dialog zielen darauf ab, das Verhältnis von Männern zum Feminismus neu zu gestalten. Die Folgen dieser Bemühungen könnten die politischen und gesellschaftlichen Einstellungen in den kommenden Jahren prägen.






