Warum männliche Homosexualität im Fußball noch immer ein Tabu bleibt
Klaus TrommlerWarum männliche Homosexualität im Fußball noch immer ein Tabu bleibt
Männliche Homosexualität bleibt im deutschen Fußball ein Tabuthema. Obwohl Schätzungen zufolge etwa 45 der rund 900 Profispieler in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben könnten, haben sich nur sehr wenige öffentlich geoutet. Die Kultur des Sports fördert selten Offenheit über das Privatleben.
Thomas Hitzlsperger war 2014 der bisher einzige prominente deutsche Fußballer, der sich als schwul outete. Seine Bekanntgabe sorgte wochenlang für Schlagzeilen, die Medienberichterstattung hielt an. Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte ihm öffentlich zu diesem Schritt.
Vor seinem Coming-out stand Hitzlsperger unter Druck, zu schweigen. Sein ehemaliger Nationaltrainer Joachim Löw hatte ihm davon abgeraten, sich früher zu outen – aus Sorge vor öffentlicher Kritik, möglichen Auswirkungen auf seine Leistung und seinen Marktwert.
Marcus Urban, einst ein vielversprechendes Talent, coacht heute schwule Fußballer. 2024 forderte er einen „Coming-Out-Tag“ im Fußball – doch kein Spieler folgte dem Aufruf. Berichten zufolge verlassen viele begabte Athleten den Sport, um nicht in einer Lüge leben oder Stigmatisierung erleben zu müssen.
Trainer, Berater und Agenten raten Spielern oft davon ab, sich zu outen. Sie fürchten um Karriere, Ruf oder finanzielle Chancen der Fußballer. Hitzlsperger arbeitet mittlerweile als Experte, unter anderem bei der ARD-Berichterstattung zur WM.
Seit Hitzlsperger hat sich kein weiterer deutscher Profifußballer geoutet. Trotz laufender Debatten über Inklusion bleibt die Zurückhaltung bestehen. Die Fußballkultur behandelt männliche Homosexualität nach wie vor als unvereinbar mit ihrem Image.






