16 April 2026, 06:31

Waschbären als Krankheitsüberträger: Panikmache oder reales Risiko?

Schwarzes und weißes Foto eines Raufußhundes auf dem Cover einer zoologischen Gesellschaftszeitschrift mit Text.

Waschbären als Krankheitsüberträger: Panikmache oder reales Risiko?

Sorgen über Waschbären als Krankheitsüberträger entfachen Debatte in Deutschland

Das ZOWIAC-Projekt der Goethe-Universität Frankfurt warnt vor den Risiken von Baylisaskariose, einer seltenen, aber schweren Infektion, die mit dem Waschbären-Spulwurm in Verbindung steht. Forderungen nach strengeren Bejagungsmaßnahmen werden lauter – doch Fachleute zweifeln, ob solche Schritte wirksam oder überhaupt notwendig wären.

Der Waschbären-Spulwurm (Baylisascaris procyonis) steht im Fokus von Naturschutzbehörden, Politikern und Hobbyjägern. Die Befürchtung: Die wachsende Waschbärenpopulation in Deutschland könnte das Infektionsrisiko für Menschen erhöhen. Doch trotz der weit verbreiteten Besorgnis bleiben bestätigte Fälle extrem selten. Bis 2021 waren weltweit nur 50 klinische Infektionen dokumentiert, in den USA weniger als 25 – trotz großer Waschbären- und Bevölkerungszahlen.

Eine Studie aus dem Jahr 2023 mit 317 Wildtierpflegern, die regelmäßig mit Waschbären in Kontakt kommen, ergab, dass einige den Parasiten in sich trugen, ohne Symptome zu entwickeln. Keiner erlitt schwere Komplikationen. Dies widerspricht der Annahme, die Krankheit sei häufig schwerwiegend oder tödlich – auch wenn das ZOWIAC-Projekt weiterhin auf die potenziellen Gefahren hinweist.

Versuche, die Waschbärenbestände durch Bejagung zu reduzieren, sind bereits gescheitert. Der Wildtierbiologe Dr. Ulf Hohmann, der sich auf Waschbären spezialisiert hat, hält eine gezielte Dezimierung für unwirksam. Stattdessen plädiert er für ein Miteinander – eine Position, die auch die Interessengemeinschaft Wild beim Wild (IG Wild) unterstützt. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für modernes Wildtiermanagement ein und will die bisherige Praxis der Laienjagd durch wissenschaftlich fundierte Ansätze ersetzen.

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Kritiker der Bejagung verweisen darauf, dass die bisherigen Maßnahmen keine Wirkung zeigen. Da sich Waschbären in städtischen und ländlichen Gebieten gleichermaßen wohlfühlen, stoßen Forderungen nach schärferen Eingriffen auf die Erkenntnis, dass das Infektionsrisiko nicht nur gering, sondern oft auch harmlos ist.

Die Diskussion um die Waschbären-Regulierung spiegelt die größeren Spannungen zwischen Wildtiermanagement und öffentlichen Gesundheitsinteressen wider. Zwar gibt es Infektionen wie die Baylisaskariose, doch dokumentierte Fälle bleiben selten, und die Symptome sind häufig mild oder fehlen ganz. Experten fragen sich inzwischen, ob eine Bejagung überhaupt sinnvoll ist – oder ob das Lernen, mit den Tieren zu leben, der einzige realistische Weg nach vorn ist.

Quelle