Deutscher Bierkonsum sinkt 2023 auf historischen Tiefstand – was steckt dahinter?
Klaus TrommlerDeutscher Bierkonsum sinkt 2023 auf historischen Tiefstand – was steckt dahinter?
Die deutsche Bierbranche stand 2023 vor einem weiteren schwierigen Jahr: Der Absatz ging im Vergleich zu 2022 um 4,5 Prozent zurück. Der Gesamtverbrauch sank auf 8,4 Milliarden Liter und setzte damit den langfristigen Abwärtstrend fort – seit 2013 sind die jährlichen Verkäufe um 11,5 Prozent geschrumpft, seit 1993 sogar um 25,3 Prozent. Auch die Exporte schwächten sich ab und machten nur noch 17,1 Prozent des Gesamtabsatzes aus, ein Rückgang um 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Inlandsverbrauch umfasste 2023 noch 82,8 Prozent der Bierverkäufe, was einem Minus von 4,2 Prozent im Vergleich zu 2022 entspricht. Der Rückgang spiegelt einen grundlegenden Wandel im Trinkverhalten wider: Vor allem jüngere Konsumenten greifen zunehmend zu alkoholarmen Alternativen, Craft-Bieren oder Cocktails. Wirtschaftliche Belastungen wie steigende Produktionskosten und Inflation – ausgelöst durch die Finanzkrise 2008 und die COVID-19-Pandemie – haben diese Entwicklung zusätzlich verstärkt. Auch gesundheitspolitische Maßnahmen, darunter Aufklärungskampagnen und höhere Alkoholsteuern seit den 2010er-Jahren, dämpften den Konsum. Der Pro-Kopf-Verbrauch sank so von über 100 Litern in den 1990er-Jahren auf etwa 90 Liter im Jahr 2023.
Besonders stark betroffen waren Biermischgetränke, deren Absatz um 9,2 Prozent auf 403,0 Millionen Liter einbrach. Die monatlichen Zahlen zeigten dabei die üblichen saisonalen Schwankungen: Die Nachfrage stieg im Frühling und Sommer an, um im Herbst und Winter wieder zu sinken. Dennoch stellten Brauereien weiterhin 11,3 Millionen Liter als betriebliche Leistung für ihre Mitarbeiter bereit.
Die Exporte erreichten ein Volumen von 1,43 Milliarden Litern, davon entfielen 784,0 Millionen Liter auf EU-Länder und 646,7 Millionen Liter auf Märkte außerhalb der EU. Trotz des allgemeinen Rückgangs bleiben Ausfuhren damit ein wichtiger Bestandteil der Branchenleistung.
Der erneute Rückgang der Bierverkäufe unterstreicht die anhaltende Schrumpfung der deutschen Brauereibranche. Mit sinkenden Exporten und schwächerer Binnennachfrage sieht sich die Industrie weiterhin mit veränderten Konsumgewohnheiten, wirtschaftlichen Herausforderungen und strengeren Gesundheitsvorschriften konfrontiert. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass in den kommenden Jahren weitere Anpassungen notwendig sein könnten.






