NRW plant verpflichtende Sprachkurse für Kinder mit Förderbedarf – doch Kritik wächst
Gerhart HenckNRW plant verpflichtende Sprachkurse für Kinder mit Förderbedarf – doch Kritik wächst
Ein neuer Gesetzentwurf in Nordrhein-Westfalen (NRW) zielt darauf ab, verpflichtende Vorschul-Sprachkurse für Kinder mit Förderbedarf im Deutschen einzuführen. Der am 13. März 2026 im Landtag eingebrachte Vorschlag hat eine Debatte unter Pädagog:innen, Politiker:innen und Eltern ausgelöst. Zwar plant das Land, die Kosten zu übernehmen, doch bleiben Bedenken hinsichtlich Personal, Organisation und der Integration in bestehende Betreuungsstrukturen bestehen.
Die sogenannte ABC-Klassen-Initiative soll schrittweise eingeführt werden, beginnend mit dem Schuljahr 2028/2029, und ab August 2029 vollständig verpflichtend sein. Die Landesregierung argumentiert, das Programm werde die Schulfähigkeit durch gezielte frühe Sprachförderung verbessern. Da jedoch bisher kein vergleichbares Modell vollständig umgesetzt wurde, bleiben Fragen zur praktischen Wirksamkeit offen.
Kritiker:innen, darunter die Gewerkschaften VBE NRW und GEW NRW, verweisen auf ungelöste pädagogische und personelle Probleme. Auch lokale Politiker:innen in Solingen haben Vorbehalte geäußert und warnen, der Plan könnte ein Parallelsystem schaffen, statt die bestehende Kita-Förderung zu stärken. Die CDU-Abgeordnete Simone Lammert betonte, die ABC-Klassen bergen die Gefahr, bestehende Strukturen zu verdoppeln, anstatt sie zu optimieren.
Mitglieder der Grünen, wie Jessica Schliewe, heben hervor, dass Sprachkompetenzen am besten in vertrauten Umgebungen – etwa in Kitas – entwickelt werden, wo Kinder stabile Bezugspersonen haben. Die Grünen-Politikerin Maja Wehrmann ergänzte, dass separate Sprachkurse Routinen stören und zu Stigmatisierung führen könnten. Beide Parteien unterstützen zwar das Ziel einer besseren Sprachförderung, fordern aber eine Überarbeitung des Entwurfs, um eine engere Abstimmung zwischen Land und Kommunen zu gewährleisten.
Da das Pilotprojekt im Saarland erst im April 2026 startet, sind Herausforderungen wie Personalmangel oder die Vereinbarkeit mit Kita-Abläufen noch nicht erprobt. Viele Beteiligte haben zudem keine klare Vorstellung, wie das neue Modell in den Betreuungsalltag integriert werden soll – was die lokale Planung erschwert.
Trotz anhaltender Kritik von Pädagog:innen und Politiker:innen wird der ABC-Klassen-Plan vorangetrieben. Sollte er wie vorgesehen umgesetzt werden, sind erhebliche Anpassungen nötig, um Personalengpässe, Integration und mögliche Störungen im Tagesablauf der Kinder zu bewältigen. Die nächsten Schritte der Landesregierung werden zeigen, ob die Initiative ihre Ziele erreichen kann – ohne neue Hürden zu schaffen.






