16 March 2026, 18:38

Pflege zu Hause: Warum Familien an ihre Grenzen geraten und tausende Euro zahlen

Ein Plakat mit Text und Logo, auf dem steht: 'Insulin ist auf 35 Dollar pro Monat für Senioren mit Medicare gedeckelt.'

Pflege zu Hause: Warum Familien an ihre Grenzen geraten und tausende Euro zahlen

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland, die auf Langzeitpflege angewiesen sind, verlässt sich auf Unterstützung zu Hause – oft durch Familienmitglieder. Über 85 Prozent der Pflegebedürftigen bleiben in ihren eigenen Häusern oder Wohnungen, wobei mehr als die Hälfte ausschließlich von Angehörigen versorgt wird. Dennoch bleibt die finanzielle Belastung für die Familien hoch: Viele müssen hohe Eigenanteile tragen, die von der Pflegeversicherung nicht abgedeckt werden.

Nach deutschem Recht fördert das Sozialsystem die häusliche Pflege, wo immer es möglich ist. Paragraf 3 des Elften Buchs des Sozialgesetzbuchs (SGB XI) gibt vor, dass Betroffene möglichst in ihrer vertrauten Umgebung bleiben sollen, statt in stationäre Einrichtungen umzuziehen. Dadurch können Pflegebedürftige zwischen Altenheimen, professioneller ambulanter Pflege oder der Betreuung durch Familie wählen – oft werden diese Optionen auch kombiniert.

Angehörige, die pflegen, übernehmen dabei eine zentrale Rolle: Im Schnitt wenden sie 49 Stunden pro Woche für die Betreuung auf, ein Viertel von ihnen sogar mindestens 57 Stunden. Trotz dieses Engagements sind die Kosten beträchtlich. Bei häuslicher Pflege liegen die monatlichen Ausgaben zwischen 340 und 7.441 Euro, im Median bei 2.085 Euro – allesamt nicht von der Pflegeversicherung gedeckt.

Auch Heimbewohner zahlen hohe Beträge: Im ersten Jahr fallen durchschnittlich über 3.200 Euro pro Monat an. Überraschenderweise kann die häusliche Pflege bei schwer Pflegebedürftigen sogar noch teurer sein – mitunter über 7.000 Euro monatlich. Gleichzeitig erhalten examinierte Pflegekräfte ab Juli 2025 einen Mindestlohn von 17,35 Euro pro Stunde.

Der Bundesverband der Angehörigenpflegenden ("wir pflegen" e.V.) kritisiert die mangelnde finanzielle Anerkennung der häuslichen Pflege. Die Vorwürfe unterstreichen den wachsenden Druck auf Familien, die sowohl die Arbeitslast als auch die Kosten tragen müssen.

Die Bundesregierung plant bis Ende 2026 eine Reform des Pflegesystems, um es bezahlbarer und zukunftsfähiger zu gestalten. Bis dahin werden Familien weiterhin hohe Belastungen schultern – egal, ob sie ihre Angehörigen zu Hause oder in Einrichtungen pflegen. Das aktuelle System lässt viele mit erheblichen finanziellen Verpflichtungen zurück, während sie gleichzeitig unverzichtbare Unterstützung leisten.

Quelle